Medizinische Fakultät
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Pädiatrie-Famulatur: University of Alberta, Kanada

Kinderkardiologie am Stollery Children's Hospital in Edmonton

Coronabedingt findet der Austausch 2021 nicht statt.

Erfahrungsbericht

"Ich verbrachte die vier Wochen meiner Pädiatrie-Famulatur im Stollery Children’s Hospital in der Kinderkardiologie. Mir wurde bereits vorher ein grober Plan geschickt und ein Arzt zugeteilt, der mir während der Famulatur als Hauptansprechpartner zur Seite stand, mich an meinem ersten Tag empfang und mir erst einmal die Station zeigte und den Tagesablauf erklärte. Ich durfte während der vier Wochen in unterschiedliche Bereiche der Kinderkardiologie rotieren, sodass ich sowohl die „Clinics“ (ähnlich wie bei uns die Ambulanz), die normale Station und den Konsildienst kennenlernen konnte. Bei den regelmäßigen Videokonferenzen durfte ich immer mit dabei sein und auch bei den wöchentlichen „Academic Halfdays“, Fortbildungskurse speziell für die Residents und Fellows, konnte ich mitmachen.

In meiner ersten Woche war ich zunächst bei verschiedenen Ärzten im ambulanten Bereich eingeteilt. Die Dienste waren in zwei Schichten, vormittags 9 Uhr bis ca 12.30 Uhr und nachmittags 13 Uhr bis ca 17 Uhr,
eingeteilt. Vorher fand noch um 7.30 Uhr täglich die Übergabe des Nachtdienstes statt. In den „Clinics“ ging es hauptsächlich um postoperative Folgeuntersuchungen oder OP-Aufklärungen, sodass ich die körperliche Untersuchung mit kardiologischem Schwerpunkt vertiefen und mich vor allem im Auskultieren bei Kindern üben konnte.
Die Ärzte erklärten mir nebenbei viel und ich konnte jederzeit Fragen stellen. Nach einiger Zeit durfte ich allein die Anamnese erheben und die körperliche Untersuchung durchführen, danach dem Arztvorstellen und den Patienten gemeinsam besprechen. Wenn zwischendurch Zeit war, schaute ich mir entweder im Nebenraum auch die Echo-Untersuchungen an – die, anders als hier in Deutschland, nicht von den Kardiologen selbst, sondern von eigens dafür geschultem Personal, durchgeführt werden oder ich nutzte den „Resident’s Room“, um z.B. etwas nachzulesen oder vorzubreiten.

In der zweiten Woche war ich auf Station eingeteilt, was v.a. hieß die Visite mitzugehen und Patienten zu besprechen. Beginn war jeweils wieder um 7.30 Uhr mit der Übergabe des Nachtdienstes und meistens ging der Tag dann bis 17.30 Uhr. Bei der eigentlichen, meist dreistündigen, Visite bemerkte ich einen deutlichen Unterschied zum deutschen System: bei der Visite lief ein komplettes Team aus Ärzten, Schwestern, Pharmakologen und Ernährungsberatern mit, die alle gemeinsam einen geeigneten Plan für die jeweiligen Patienten abstimmten und sich auf unterschiedliche Bereiche in der Therapie konzentrierten. Die Woche bestand zum Großteil aus Zuschauen, Theorie, aber auch der Aufnahme eigener Patienten inklusive Besprechung mit dem zuständigen Arzt.

In meiner dritten Praktikumswoche wurde ich von einem deutschen Arzt betreut, der als Kinderkardiologe im Bereich der Herztransplantation in dieser Woche Konsildienst hatte. Wir wurden entweder auf nicht-kardiologische Stationen gerufen oder in die NICU (Neonatal Intensive Care Unit) bzw. PICU (Pediatric Intensive Care Unit). Die Woche war sehr abwechslungsreich und interessant, und ich lernte viel zum Thema EKG-Interpretation dazu.

In meiner vierten und letzten Woche im Stollery Children’s Hospital durfte ich mir aussuchen, welchen Bereich ich mir noch einmal anschauen wollte und entschied mich für die „Clinics“, die Ambulanz, weil ich dort am meisten praktisch eigenständig machen konnte. Außerdem durfte ich auf Nachfrage an einem Tag bei einem Herzchirurgischen Eingriff im OP zuschauen.

Die vier Wochen gingen insgesamt sehr schnell vorbei, ich habe in der Zeit in Edmonton viel gelernt und gesehen und konnte meine Tendenz, später selbst in Richtung Pädiatrie zu gehen, weiter bekräftigen. Vor allem das sehr freundliche Arbeitsklima empfand ich als überaus positiv. Nach der Famulatur reiste ich noch ein paar Wochen durch Kanada."

Ann-Kathrin Gerding