Medizinische Fakultät
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Statusbericht Projekt OFIF

Statusbericht des Projekts OFIF

1. Hintergrund des Projekts

Das im Mai 2013 initiierte Projekt OFIF (Orientierungs- und Fachkommunikationskurse mit interkulturellem Fokus) unterstützt internationale Vollzeitstudierende der Medizin bei ihrem Studium an der LMU. Besonders die nicht deutschsprachigen ausländischen Studierenden (14,9% aller Medizinstudierenden der LMU im WiSe 2012/2013) stehen vor großen Herausforderungen und Anpassungsschwierigkeiten an die hiesigen Lebens- und Studienbedingungen. Mit Fachsprachkursen und interkulturellen Orientierungsveranstal-tungen hat OFIF das Ziel zum besseren Studienerfolg der internationalen Studierenden beizutragen.

Den erhöhten Handlungsbedarf zeigen folgende Zahlen: OFIF forderte 2013 beim Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) eine Statistik über die Leistungen von internationalen Studierenden im Physikum und 2. Staatsexmanen an der LMU an. Die Zahlen zeigen, dass 15-60% (je nach Herkunft) der internationalen Studierenden der LMU durch das Physikum fallen (im Vergleich zu 10% der deutschen Kommilitonen/innen). Außerdem haben sie schlechtere Prüfungsleistungen im Vergleich zu ihren deutschen Kommilitonen/innen und studieren im Durchschnitt drei Semester länger. Auch im 2. Staatsexamen sind die Leistungen schlechter. Sowohl die höhere Durchfallquoten als auch die schlechten Prüfungsergebnisse sind signifikant. Die von OFIF angeforderten Zahlen belegen, dass erhöhter Handlungsbedarf besteht, um die Chancengleichheit für alle Studierenden zu ermöglichen.

2. Handlungsfelder für OFIF

Basierend auf diesen Zahlen führte OFIF eine umfassende Bedarfsanalyse mit Leitfadeninterviews unter Dozierenden (N = 11) und internationalen Studierenden (N = 9) der Medizinischen Fakultät der LMU durch. Ergänzend dazu setzte OFIF eine Online-Umfrage unter Dozierenden (N = 67) und Studierenden (N = 100) um, um den Bedarf an unterstützenden Veranstaltungen von verschiedenen Perspektiven aus zu eruieren und damit gezielt auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehen zu können. Die Umfragen ergaben folgende zentralen Ergebnisse:

2.1 Aus Sicht der Dozierenden haben internationale Studierende Probleme in folgenden Bereichen:

- Probleme im Umgang mit Patienten/innen hinsichtlich der umgangssprachlichen Kommunikation und dem Transfer der medizinischen Fachbegriffe

- Probleme in mündlichen und praktischen Prüfungen hinsichtlich des sprachlichen Ausdrucks und des Verstehens von Fragen bzw. Arbeitsanweisungen

- Außerdem wirken internationale Studierende aus Sicht der Dozierenden oft isoliert, haben wenig Kontakt zu deutschen Studierenden und nehmen seltener an Lerngruppen teil

2.2 Aus Sicht der internationalen Studierenden gibt es folgende Herausforderungen und Wünsche:

- Probleme in mündlichen Prüfungen mit der Ausformulierung von Antworten

- Probleme in Klausuren mit dem Verständnis der Multiple-Choice-Aufgaben

- Wunsch nach mehr Anschluss an Lerngruppen und Kontakt zu deutschen Studierenden

- Wunsch nach einem Tutoren-/Buddy-System, das besonders zu Studienbeginn Orientierung an der Universität bietet, bei der Administration unterstützt und Lerntipps gibt

3. Konkrete Unterstützungsangebote

Auf Grundlage der Ergebnisse der Bedarfsanalyse führte OFIF im Wintersemester 2013/2014 eine dreigliedrige Veranstaltungsreihe (mit je zwei bis vier Unterrichtseinheiten) mit insgesamt fünf semesterübergreifenden, handlungs- und kommunikationsorientierten Trainings durch. Aufgrund der großen Nachfrage wurden zwei zusätzliche Trainings für Multiple Choice Aufgaben und Mündliche Prüfungen durchgeführt.

Zielgruppe sind internationale Studierende der Vorklinik und Klinik, die Unterstützung benötigen. Das Angebot soll in der Pilotphase möglichst weite Verbreitung finden und die Möglichkeit bieten auf die Resonanz der Studierenden hin mögliche Folgeangebote zu erstellen.

3.1 Trainings

Die Trainings basieren auf dem Erfahrungsaustausch und der Wissensweitergabe unter Studierenden verschiedener Semester. Methodisch basieren die Trainings auf handlungsorientiertem Lernen in Simulationen.

3.1.1 Training „Mündliche Prüfungen“

Es wurden zwei Trainings zum Thema „Mündliche Prüfungen“ durchgeführt. Diese Prüfungsform bereitet vielen internationalen Studierenden aufgrund von Prüfungsangst und mangelndem sprachlichen Ausdruck große Schwierigkeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Studierenden oftmals aus anderen Lerntraditionen kommen und folglich unterschiedliche Lernstile mitbringen. Die angebotene Trainingseinheit unterstützte die Studierenden durch die Vermittlung von Lernstrategien sowie Tipps zur Präsentation und Verhalten in Prüfungen. Des Weiteren konnten die Inhalte realitätsnah durch die Simulation von mündlichen Prüfungssituationen geübt werden.

3.1.2 Training „Multiple Choice Aufgaben“

Es wurden zwei Trainings zum Themenbereich „Multiple Choice Aufgaben“ durchgeführt. Diese Prüfungsform stellt durch die Komplexität der Fragestellungen für viele internationale Studierende eine Herausforderung dar. Mit der Vermittlung von Lernstrategien zur Prüfungsvorbereitung unterstützte OFIF in dieser Trainingseinheit die internationalen Studierenden bei ihrem Umgang mit MC-Aufgaben.

3.1.3 Training „Anamnesegespräch“

Nach dem erfolgreichen Erlernen der medizinischen Fachsprache stellt das Arzt-Patienten-Gespräch viele internationale Studierende vor Probleme. Deshalb lag der Fokus dieses

Trainings auf dem Üben des Transfers medizinischer Fachausdrücke in die Laiensprache mit Hilfe von simulierten Arzt-Patienten-Gesprächen.

4. Kooperationen

4.1 Kooperation mit Study Buddy

OFIF kooperierte erfolgreich mit dem Study Buddy Team, welches Erasmusstudierende der Medizin durch deutsche Buddys mit Anamnesetrainings und sozialen Aktivitäten unterstützt. Die Kooperation eröffnet die Möglichkeit den jeweiligen Zielgruppen der internationalen Vollzeit- und Erasmusstudierenden ein breiteres Veranstaltungsrepertoire bieten zu können und gegenseitig an den Veranstaltungen teilzunehmen.

4.2 Kooperation mit IMEcoach

Seit dem Wintersemester 2012/13 wird ein Tutorenprogramm für ausländische Vollzeitstudierende der Humanmedizin namens IMEcoach angeboten. OFIF kooperierte erfolgreich mit dieser studentischen Initiative. IMEcoach verfolgt das Ziel, internationalen Studienanfängern den Einstieg in das Medizinstudium und das Leben in München zu erleichtern. Hierbei werden ausländische Erstsemesterstudierende mit einem Studierenden aus einem höheren Semester zusammengebracht. Weiter werden sie durch Anatomietutorien sowie soziale Angebote unterstützt.

4.3 Kooperation mit IMECU

Durch die Verbindung mit dem Projekt IMECU (International Medical Culture) wurden unterschiedliche Seminare für Medizinstudierende zum Themenbereich Kultur und Medizin angeboten. Ein semesterbegleitendes Seminar „Kultursensibles medizinisches Handeln“ wurde bereits zum Sommersemester 2011 konzipiert. Es besteht aus insgesamt 28 Präsenzstunden und gliedert sich in acht zweistündige Sitzungen und zwei Block-veranstaltungen zu je sieben Zeitstunden. Des Weiteren wurden zwei Wahlpflichtveranstaltungen zum Kultursensiblen medizinischem Handeln mit den Schwerpunkten Global Health und Patientenversorgung angeboten.

5. Evaluation der durchgeführten Veranstaltungen

Die Trainings wurden mittels Fragebogen-Feedback evaluiert, um auf Grundlage dessen, das Format und die Inhalte der Veranstaltungen kontinuierlich weiter verbessern zu können.

5.1 Ergebnisse der Evaluation

Im Wintersemester 2013/2014 nahmen insgesamt 65 Teilnehmer und Teilnehmerinnen (52 Vollzeitstudierende und 13 Erasmusstudierende) aus 27 Nationen an den fünf Trainings teil. Davon waren 38 Personen aus dem vorklinischem und 27 aus dem klinischen Abschnitt des Medizinstudiums. Besonders auffällig war die Gruppe derjenigen Studierenden, die nicht innerhalb der Regelstudienzeit von 4. Semestern das Physikum antraten, sondern sich bereits im 5., 6. oder sogar 7. Semester befanden, ohne das Physikum angetreten zu haben oder es im Erstversuche nicht bestanden hatten. Die Studierenden bewerteten die Veranstaltungen mit einer Durchschnittsnote von 1,4 (auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht)).

5.2 Auswirkungen der Unterstützungsmaßnahmen

Von den Angeboten erwarten wir, dass internationale LMU-Studierende einen erleichterten Start ins Studium haben und sich die Hochschulstruktur der Medizinischen Fakultät schneller aneignen. Darüber hinaus sollen sie ihre mündlichen und schriftlichen Kommunikationskompetenzen trainieren und verbessern sowie (sprachliche) Verständnisfragen in einem geschützten Rahmen besprechen können. Ferner werden internationale Studierende durch das Angebot gezielt auf zukünftige Aufgaben (bspw. Famulaturen und spätere Tätigkeit im deutschen Gesundheitswesen) vorbereitet. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass sich ihre Studienleistungen insgesamt verbessern, wenn sie bei der Entwicklung entsprechender Coping-Strategien unterstützt werden.

5.3 Planung weiterer Trainings

Weitere Veranstaltungen für das kommende Sommersemester 2014 sind in Kooperation mit Study Buddy in Planung, um das unterstützende Angebot für internationale Studierende der Medizinischen Fakultät der LMU stetig weiter auszubauen.

Quellen

Füßl, Hermann Sebastian; Middeke, Martin (2010): Anamnese und Klinische Untersuchung. Duale Reihe. 4. Auflage. Stuttgart: Thieme.

Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP)

Kück, Sebastian; Lo, Xun (2011): Gibt es Lernstile, die kulturspezifisch sind? Ein eine interkulturelle Annäherung an das Lernstilkonzept anhand einer vergleichenden Untersuchung am Beispiel deutsch-chinesischer Studenten. In: interculture journal 10(15), S.37–61.

Malau-Aduli, Bunmi (2011): Exploring the experiences and coping strategies of international medical students. In: BMC Medical Education 11(40), S. 1–12.

Mehlhorn, Grit (2009): Studienbegleitung für ausländische Studierende an deutschen Hochschulen. 2. Auflage. München: Iudicium.

Ref. VI.3 Anwendungsbetreuung, LMU

Schön, Almut; Schrimpf, Ulrike (2010): Fachkommunikation in der Medizin – Konzeption und Durchführung von Kommunikationskursen und E-Learning im Bereich „Fachsprache Medizin“ mit interkulturellem Fokus. In: German as a foreign language 10, S.1–23.

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