Medizinische Fakultät
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Die Zusammenwirkung von Schadstoffen und Beeinflussung unseres Krankheitsrisikos von der Empfängnis bis zum Alter

  • Sprecher: PD Dr. Stephan Böse-O´Reilly
  • Einrichtung: Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
  • Förderung: 2013 bis 2018

Wie Schadstoffe zusammenwirken und unser Krankheitsrisiko von der Empfängnis bis zum Alter beeinflussen, das untersuchen unter anderem Forscher des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in einem neuen EU-Projekt.

Tausende Schadstoffe – und andere Faktoren wie etwa die Belastung mit Strahlen oder die soziale Herkunft – wirken in unserem Lebenslauf auf uns ein. Genauer gesagt: auf die Zellen in unserem Körper. Noch genauer gesagt, auf die in den Chromosomen gespeicherten Gene und deren Aktivität, was wiederum das Krankheitsrisiko beeinflusst. Beispiel: Zwar verursachen vor allem übermäßig fett- und kohlehydratreiche Ernährung die Volkskrankheit Diabetes. Allerdings „gibt es inzwischen deutliche Hinweise, dass auch hormonwirksame Substanzen aus der Umwelt das Diabetes- Risiko erhöhen“, sagt Privat-Dozent Stephan Böse-O’Reilly vom Institut und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. Zu diesen Substanzen zählt etwa das Bisphenol A, das in Plastikflaschen enthalten ist.

Alle Schadstoffe und Risikofaktoren und ihre gesundheitsrelevanten Effekte en detail zu beschreiben und zu verstehen, hat bislang niemand versucht. Zu komplex, dachte man. Doch jetzt wagen sich unter anderem die Münchner Mediziner um Böse- O’Reilly und weitere Experten aus ganz Europa erstmals ansatzweise an diese Herkules-Aufgabe heran – im Projekt HEALS (Health and Environment-wide Associations based on Large Population Surveys) der Europäischen Union.

„Das ist ein extrem ambitioniertes Projekt“, räumt der Münchner Mediziner ein – „aber auch ein hoch spannendes Forschungsfeld, das Jahr für Jahr interessanter wird.“ Böse-O’Reillys Team beschäftigt sich mit den Wirkungen von Quecksilber im Körper. Die Forscher sichten zunächst alle verfügbaren Studien über die Wirkung des Schwermetalls. Mit diesen Daten füttern sie einen Hochleistungsrechner, der simuliert, wie sich Quecksilber im Körper verteilt und an welchen Stellen es schadet. „Das weiß man noch nicht“, sagt der Arzt. Andere Arbeitsgruppen von HEALS erstellen mit den gleichen Methoden ähnliche Modelle für andere Substanzen respektive Risikofaktoren. Immer wieder sollen dabei die Modelle optimiert werden. Am Ende wollen die Forscher ihre Ergebnisse bündeln und eine Computersimulation kreieren, wie diese Substanzen und Risikofaktoren gemeinsam Erkrankungen mit verursachen. Besonders in den „kritischen“ Lebensphasen wie vor und nach der Geburt, in der Jugend und im Alter. „Da kommen gigantische Datenmengen zusammen“, erklärt Böse-O’Reilly, „aber damit nähern wir uns dem großen Ganzen an.“ Das langfristige Ziel des Projekts ist klar: der Politik zu empfehlen, wo sie ihr begrenztes Budget am besten investiert, um eine rationale Krankheitsvorbeugung zu unterstützen.

Quelle: Jahresbericht 2014