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Curcumin gegen Metastasen beim Prostatakarzinom

Dem Curry-Gewürz gibt Curcumin seine satte orange-gelbe Farbe, als Geschmacksträger ist es weithin geschätzt. Gut möglich, dass der Stoff demnächst auch in der westlichen Medizin Karriere macht: als Mittel in der Krebsbehandlung. „In unseren Studien haben wir ermittelt, wie Curcumin die Bildung von Metastasen beim Prostatakarzinom verhindert“, erklärt Privat-Dozentin Dr. Beatrice Bachmeier vom Institut für Laboratoriumsmedizin der LMU – und sieht therapeutische Perspektiven.

Schon seit 5.000 Jahren wird der Wirkstoff in der ayurvedischen Medizin Asiens eingesetzt, vorzugsweise um Entzündungen zu bekämpfen. „Mit beachtlichen Erfolgen“, wie die Wissenschaftlerin unterstreicht. Naturheilkundler nutzen das aus der Gelbwurzel isolierte Mittel auch in der Tumorbehandlung. So begann sich auch die moderne Forschung für Curcumin zu interessieren, „wobei wir ja heute wissen, „dass viele Krebsarten mit chronischen Entzündungen in und um das Tumorgewebe einhergehen.“ Die Krebszellen kommunizieren mit den Entzündungszellen. Bestimmte Botenstoffe werden ausgeschüttet, die das Tumorwachstum unterstützen.

Curcumin könnte die Wirkung der ´klassischen Therapien´ verstärken.

Curcumin / Gelbwurzel In der Naturheilkunde hat das Curcumin aus der Gelbwurzel schon lange seine Anwendung

Zunächst hatte das Team um Bachmeier nachgewiesen, dass der Pflanzenstoff die Bildung von Tochtergeschwulsten beim Brustkrebs bremsen kann. Jetzt ist das auch beim Prostatakarzinom gelungen. In dieser 2012 veröffentlichten Studie haben die Forscher zudem erstmals detailliert ermittelt, wie der schützende Effekt vermittelt wird. Brust- und Prostatatumorzellen produzieren übermäßig ein Protein namens NF-KappaB, das in den Zellkern wandert. Dort sitzen die Gene, die die Bauanleitung für die Produktion von Proteinen und anderen Molekülen tragen. Um die Herstellung bestimmter Proteine zu starten, dockt NF-KappaB an die Gene. Auf diese Weise wird auch die Produktion der Entzündungsmoleküle CXCL1 und CXCL2 geregelt, die wiederum Proteine regulieren, die bei der Bildung von Tochtergeschwulsten eine Rolle spielen. „Curcumin blockiert NF-KappaB, das darauf hin nicht in den Zellkern gehen kann“, sagt Beatrice Bachmeier. Die Produktion der beiden CXCL-Moleküle bleibt aus, entsprechend ist die Metastasierung in den Lungen zumindest bei Mäusen im Tierversuch „deutlich gehemmt.“

Die Wissenschaftlerin bezeichnet Curcumin als eine „tolle Substanz“, weil sie kaum Nebenwirkungen hat – selbst bei hohen Dosen bis acht Gramm täglich. Jüngst hat das Forscher-Team eine erste Studie mit Prostatakrebs-Patienten gestartet, die auf keine gängige Therapien mehr ansprechen. „Selbst bei diesen Patienten sehen wir teilweise noch eine Verbesserung“, erklärt Bachmeier. „Curcumin soll keinesfalls die gängigen Krebstherapien ersetzen, sondern nur ergänzen“, sagt die Chemikerin weiter. Bei noch therapiefähigen Tumoren könne Curcumin möglicherweise die Wirkung der „klassischen“ Therapien verstärken. In der primären Prävention – also bevor ein Tumor entsteht – sei es in Risiko-Gruppen uneingeschränkt zu empfehlen. Für eine vorbeugende Behandlung kämen etwa Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung in Frage, die später zu Prostatakrebs entarten kann. Auch Frauen mit familiär hohem Brustkrebsrisiko könnten Curcumin präventiv schlucken. Alle potenziellen Anwendungen müssen zuvor allerdings in Studien getestet sein: "Genau das planen wir mittel- bis langfristig."

Quelle: Jahresbericht 2012 (Text und Bildnachweis)

Literatur: Killian PH et al. (2012):
"Curcumin inhibits prostate cancer metastasis in vivo by targeting the inflammatory cytokines CXCL1 and -2. Carcinogenesis"
33(12):2507-19)