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Warum viel HDL nicht immer hilft

03. Februar 2017

Die Rolle des Proteins HDL bei der Entstehung von Atherosklerose ist komplexer als bisher gedacht: Zwar entfernt HDL schädliches Cholesterin aus den Blutgefäßen, aber es kann auch Entzündungen fördern, wie eine neue Studie zeigt.

Warum viel HDL nicht immer hilft

Allgemein geht man davon aus, dass das Protein HDL (High Density Lipoprotein) vor Atherosklerose schützt, weil es Cholesterin vom Gewebe zur Leber transportiert, die den Stoff abbaut. Außerdem hemmt HDL direkt die Entzündung bestimmter Gefäßwandzellen. Dr. Emiel van der Vorst (Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten) hat nun gemeinsam mit niederländischen Kollegen gezeigt, dass die Wirkung von HDL nicht so eindeutig positiv ist wie bisher gedacht. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im Journal Cell Metabolism.

Beim Fortschreiten der Atherosklerose spielen maßgeblich auch Entzündungen eine Rolle, die durch Makrophagen ausgelöst sind. Makropagen sind wichtige Zellen des Immunsystems, die Zellreste und eingelagerte Fette beseitigen. Allerdings können sie sich dabei „überfressen“, was zu Entzündungen führen kann. Da HDL entzündungshemmend wirkt, gingen die Wissenschaftler davon aus, dass das Protein auch diesem Prozess entgegenwirkt. „Zu unserer Überraschung hat unsere Studie aber nun das Gegenteil gezeigt“, sagt van der Vorst. „Wir haben mehrere HDL-Subtypen und Makrophagen unterschiedlicher Herkunft sowohl in vivo als auch in vitro untersucht und jeweils gefunden, dass HDL die entzündungsfördernde Wirkung von Makrophagen steigert.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler kann dieser Fund zumindest teilweise erklären, warum klinische Studien zur Atherosklerose-Therapie mittels erhöhter HDL-Level bisher enttäuschende Ergebnisse brachten. „Die entzündungsfördernde Wirkung auf Makrophagen könnte die positiven Effekte von HDL überlagern“, sagt van der Vorst. Die Wissenschaftler betonen aber, dass HDL nun nicht per se als schädlich angesehen werden sollte, denn wie sich das Protein im Einzelfall auswirkt, hängt von komplexen Interaktionen zwischen verschiedenen Zelltypen ab sowie von Art und Stadium der Erkrankung. Diese Zusammenhänge wollen die Wissenschaftler in weiteren Studien untersuchen und neue Strategien für HDL-basierte Atherosklerose-Therapien entwickeln.

Titel der Originalarbeit

van der Vorst, Emiel P.C.; Theodorou, Kosta et al.
High-Density Lipoproteins Exert Pro-inflammatory Effects on Macrophages via Passive Cholesterol Depletion and PKC-NF-κB/STAT1-IRF1 Signaling
Cell Metabolism, Volume 25, Issue 1, 197 - 207

Quelle: Pressemitteilung LMU (Text und Bildnachweis), Graphic Abstract "High-Density Lipoproteins Exert Pro-inflammatory Effects on Macrophages via Passive Cholesterol Depletion and PKC-NF-κB/STAT1-IRF1 Signaling" (Bild)