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Zeichen für das Risiko

14. Juni 2016

Münchner Forscher haben eine neue Methode entwickelt, um den Krankheitsverlauf von Glioblastomen vorherzusagen. Dabei dienen kleine RNA-Abschnitte, sogenannte miRNAs, als Biomarker.

bestrahlungsplan Bestrahlungsplan für ein Glioblastom. Aufnahme: Klinikum der Universität München

Das Glioblastom ist mit etwa 20 Prozent der Fälle der häufigste Hirntumor. Ärzte stellt diese aggressive Form immer noch vor große Herausforderungen. Molekulare Marker könnten dabei helfen, die richtige Therapieentscheidung zu treffen. Die Teams um Professor Claus Belka, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Klinikums der Universität München am Campus Großhadern, und Dr. Kristian Unger, stellvertretender Leiter der Abteilung Strahlenzytogenetik (Leiter: Professor Horst Zitzelsberger) am Helmholtz Zentrum München, konnten nun bestimmte miRNAs identifizieren, die als Biomarker für den Verlauf der Krankheit dienen könnten. Bei miRNAs handelt es sich um Moleküle, die aus kurzen Abfolgen von RNA-Bausteinen bestehen und eine wichtige Rolle bei der Genregulation spielen können. Davon berichten sie im Fachjournal Oncotarget.

Die Krebsforscher untersuchten dabei in Kooperation mit dem Edinger-Institut der Universität Frankfurt die Zusammensetzung von miRNAs in Proben von 36 Patienten, denen im Zuge einer Behandlung Tumormaterial entfernt und deren weiterer Behandlungsverlauf gut dokumentiert worden war. „Vier miRNAs konnten wir immer wieder in Tumoren von Patienten finden, die eine besonders schlechte Prognose hatten“, erklärt Dr. Karim-Maximilian Niyazi, Privatdozent, Oberarzt am Klinikum der Universität München (Campus Großhadern) und Erstautor der Studie. Anhand ihrer Daten berechneten die Wissenschaftler einen Risikoscore, der zwei Patientengruppen voneinander abgrenzt, deren Lebenserwartung sich bei einer Standardtherapie um rund fünf Monate unterschied. Um ihre Ergebnisse zu untermauern, verwendeten sie die Daten von weiteren 58 unabhängigen Proben. Auch hier stellten sie fest, dass sich die Zusammensetzung der miRNAs veränderte, je schlechter die Aussicht auf Therapieerfolg war.

Patent bereits angemeldet

Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass ihre Beobachtungen aber nicht nur theoretische Bedeutung haben. Aus diesem Grund meldeten sie bereits ein entsprechendes Patent an. „Bisher sind nur wenige prognostische und prädiktive Faktoren für das Glioblastom identifiziert“, so Studienleiter Unger. „Unsere Methode könnte dazu dienen, Kandidaten für alternative beziehungsweise intensivierte Therapiemöglichkeiten zu identifizieren, da Patienten mit einem hohen Risikoscore sehr wahrscheinlich nicht von einer Standardtherapie profitieren werden.“ Da das Tumorgewebe in der Regel sofort entfernt würde, sei eine entsprechende Analyse relativ einfach und ohne großen Mehraufwand durchzuführen, so die Forscher.

Ob die miRNAs selbst in den Krebszellen eine bösartige Funktion ausüben oder lediglich ein indirekter Marker sind, ist noch nicht geklärt. In ersten Untersuchungen konnten die Wissenschaftler aber zeigen, dass sie möglicherweise zu verschiedenen Prozessen der Tumorentstehung beitragen.

Quelle: Helmholtz Zentrum München/LMU (Text), Universitätsklinikum (Bildnachweis)