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Nierenschutz inklusive

24. November 2016

LMU-Mediziner erklären im renommierten New England Journal of Medicine, warum ein neues Medikament zur Senkung des Blutzuckerspiegels auch die Nieren vor diabetesbedingten Schäden schützt.

Die Nieren erfüllen im Körper zahlreiche wichtige Funktionen. Durch Diabetes dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die lebenswichtigen Organe bis hin zum Nierenversagen. „Ein neu entwickeltes Medikament gegen Diabetes hat nun in einer großen klinischen Studie völlig unerwartet einen sehr starken nierenschützenden Effekt gezeigt“, sagt der Nierenspezialist Professor Hans-Joachim Anders. „Wir haben uns gefragt, auf welchen Mechanismen dies beruht, denn es gibt weit potentere Antidiabetika, von denen keines einen ähnlichen Nierenschutz entfaltet.“ Im hochrenommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine zeigen LMU-Mediziner um Anders nun, dass der Effekt auf einem Mechanismus beruht, den Professor Klaus Thurau, langjähriger Vorstand des Instituts für Physiologie und mittlerweile emeritiert, entdeckt hat.

Nieren regulieren ihre Durchblutung und damit ihre Funktion mithilfe des Salzgehalts im Primärharn. Der Primärharn wird von der Niere aus dem Blut gefiltert und in einem System feiner Röhrchen, den Tubuli, zum Harnleiter geschleust. Während dieser Passage werden viele Bestandteile des Primärharns wieder resorbiert, unter anderem Salze und Glukose. Die Niere misst den Salzgehalt im hinteren Bereich der Tubuli und steuert mit dessen Hilfe ihre Filtrationsrate: Ist der Salzgehalt im Harn hoch, verengen sich die Blutgefäße in der Niere. Dadurch werden Filtrationsrate und Salzverlust gemindert.

Dieses sogenannte tubuloglomeruläre Feedback hat Thurau in den 1970er Jahren entdeckt. Bei diabetesbedingt hohen Blutzuckerspiegeln wird dieser Schutzmechanismus dauerhaft inaktiviert, weil die Rückresorption von Salz an die von Glukose gekoppelt ist: Bei Diabetikern enthält der Primärharn zu viel Glukose, dementsprechend wird auch viel Salz rückresorbiert. Dadurch kommt wenig Salz im hinteren Bereich der Tubuli an und die Niere erhält dauerhaft das Signal, dass der Salzgehalt zu niedrig ist – die Gefäße erweitern sich und erhöhen so dauerhaft den Filtrationsdruck in der Niere. Dies schädigt auf Dauer die Nieren bis hin zum Nierenversagen. „Die unerwartete nierenschützende Wirkung des neuen Medikaments beruht darauf, dass es die abnormal gesteigerte Salzrückgewinnung aus dem Primärharn blockiert“, sagt Anders. „Somit wird die Autoregulation der Niere wieder hergestellt und die zarten Filterstrukturen der Niere werden vor der schädlich gesteigerten Durchblutung geschützt.“

Die Schädigung der Nieren bis hin zur Dialysepflicht oder Transplantation gehört zu den problematischsten Auswirkungen von Diabetes, die das Gesundheitssystem stark belasten. Die Auswirkungen des neuen Medikaments zeigen, wie entscheidend der tubuloglomeruläre Effekt für die Entstehung der diabetischen Nierenschädigung ist. „Wir verstehen nun, warum die Nieren von Diabetes so stark betroffen sind“, sagt Anders. „Die neue Behandlungsmöglichkeit hat große klinische Bedeutung.“

Quelle: Pressemitteilung LMU (Text und Bildnachweis)