Medizinische Fakultät
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Herkunft und Menge machen den Unterschied

25. September 2015

Geringe Mengen Transfettsäuren im Blut sind entgegen früherer Annahmen auch dann nicht schädlich, wenn die Fette aus industrieller Produktion stammen, zeigt eine neue Studie.

Transfettsäuren (TFA) entstehen als Nebenprodukte bei der industriellen Fetthärtung, mit der Öle durch das Anlagern von Wasserstoff dickflüssiger gemacht werden. Solche industriellen Transfettsäuren kommen unter anderem in Frittierfett und Backwaren vor. Allerdings gibt es auch natürliche Transfettsäuren, die vor allem in Milchprodukten und Rindfleisch in geringen Mengen enthalten sind. Hohe Gehalte industrieller Transfettsäuren in der Ernährung werden mit verschiedenen Volkskrankheiten in Verbindung gebracht. „Bisher war es allerdings nicht klar, ob es eine unbedenkliche Konzentration für den Menschen gibt, und ob es Unterschiede zwischen den Transfettsäuren aus der Lebensmittelproduktion und den natürlichen gibt“, sagt der Leiter der Präventiven Kardiologie der LMU, Professor Clemens von Schacky. In Kooperation mit Wissenschaftlern um Dr. Marcus Kleber (Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg) hat von Schacky nun den Zusammenhang zwischen dem TFA-Gehalt in den roten Blutkörperchen und der Krankengeschichte zahlreicher Probanden analysiert. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im European Heart Journal.

In ihre Studie bezogen die Wissenschaftler über 3000 Teilnehmer der „LUdwigshafen RIsk and Cardiovascular Health“ Studie (LURIC) ein, die zwischen 1997 und 2000 wegen des Verdachts auf eine Herzerkrankung stationär untersucht worden waren. Mithilfe einer von Schacky etablierten hochsensitiven Methode, die eine genaue Analyse der Transfettsäuren erlaubt, untersuchten die Wissenschaftler die Konzentrationen von fünf Transfettsäuren in den roten Blutkörperchen, die als Marker für den jeweiligen Anteil der natürlichen und der industriellen Transfettsäuren dienten. Die TFA-Gehalte korrelierten sie dann mit der Krankengeschichte der Patienten, die im Durchschnitt über etwa zehn Jahre nachverfolgt werden konnte. In der statistischen Analyse berücksichtigt wurden außerdem gesundheitlich relevante Faktoren wie Rauchen, Body Mass Index (BMI) oder hoher Blutdruck.

TFA-Spiegel differenziert betrachten

„Unsere Untersuchungen zeigten, dass bei unseren Probanden höhere TFA-Konzentrationen in den roten Blutkörperchen begleitet waren von einem höheren Gehalt an „schlechtem“ LDL-Cholesterin - allerdings auch mit einem niedrigeren BMI, einem geringeren Gehalt bestimmter anderer Blutfette und einem niedrigeren Diabetesrisiko“, sagt Marcus Kleber. „Zu unserer Überraschung waren höhere Konzentrationen der industriellen Transfettsäuren nicht mit einer höheren Gesamt-Sterblichkeit korreliert.“

Diese Ergebnisse widersprechen Erkenntnissen aus US-amerikanischen Studien nach denen hohe Spiegel von industriell produzierten Transfettsäuren in der Ernährung unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus führen können. Die Wissenschaftler vermuten, dass der insgesamt deutlich niedrigere TFA-Spiegel der deutschen Studienteilnehmer die Ursache dafür ist: Der TFA-Anteil in den roten Blutkörperchen der LURIC-Probanden lag im Durchschnitt bei unter einem Prozent, während aus den USA in einem vergleichbaren Zeitraum Durchschnittswerte von über 2.6 % berichtet werden. Da mittlerweile die industriellen Produktionsmethoden umgestellt wurden und in den USA seit diesem Jahr gehärtete Fette in Lebensmitteln verboten sind, vermuten die Wissenschaftler, dass der TFA-Spiegel der Bevölkerung auch in den USA inzwischen gesunken ist. „Die niedrigen Spiegel von Transfettsäuren aus der Lebensmittelproduktion, die wir in LURIC gefunden haben, stellen aus unserer Sicht kein Risiko für die Gesundheit dar“, sagt Kleber.

Zudem fanden die Forscher heraus, dass Transfettsäuren in roten Blutkörperchen, wenn sie natürlichen Ursprungs sind, mit einer niedrigeren Gesamt-Sterblichkeit, vor allem mit einem niedrigeren Risiko für den plötzlichen Herztod assoziiert waren. Bislang war nicht geklärt, ob sich natürliche Transfettsäuren so auswirken.

„Die Untersuchung der TFA-Spiegel in roten Blutkörperchen ist ein neuer Ansatz, der im Vergleich zur konventionellen Ernährungsforschung, bei der Ernährungsbestandteile mit Fragebögen erfasst werden, viele Vorteile hat“, sagt Schacky. „Die Fettsäurezusammensetzung roter Blutkörperchen schwankt nur gering, und unsere spezielle Messmethode ist sehr genau. Ganz klar zeigen unsere Daten, dass man zwischen natürlichen Transfettsäuren und solchen aus der Lebensmittelproduktion unterscheiden muss.“ In zukünftigen Studien wollen die Wissenschaftler nun die Bedeutung von Fettsäuren für die Gesundheit weiter erforschen.

Quelle: Pressemitteilung