Medizinische Fakultät
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Gentherapie im Kommen

12. November 2014

spitzweg Leiterin des interdisziplinären Schilddrüsenzentrums und Co-Leiterin des Zentrums für neuroendokrine Tumoren, wurde mit dem Van-Meter-Award ausgezeichnet

Als erste, nicht in den USA tätige europäische Forscherin seit 1957 hat Prof. Christine Spitzweg den renommierten „Van-Meter-Preis“ erhalten. Die amerikanische Schilddrüsen- Gesellschaft verleiht ihn seit 1930 jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Schilddrüse. Die Ärztin wird geehrt aufgrund ihrer international renommierten, herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet. Christine Spitzweg ist Leiterin des interdisziplinären Schilddrüsenzentrums am Klinikum der Universität München sowie Ko-Leiterin des Zentrums für neuroendokrine Tumoren. Als erste, nicht in den USA tätige Professorin ist Frau Spitzweg auch in das Direktoren-Gremium der Organisation gewählt worden.

Christine Spitzwegs wissenschaftliches Schicksal heißt kurzerhand NIS. NIS steht für „Natrium-Iodid-Symporter“. Das ist ein Molekül auf der Oberfläche von Schilddrüsenzellen, das Natrium- und Jod-Ionen aus dem Blut in die Zelle befördert. Bekanntlich braucht die Schilddrüse ausreichend Jod für die Synthese der Schilddrüsenhormone und ein normales Schilddrüsenwachstum. Nachdem 1996 das Gen für den NIS entschlüsselt wurde, hat Christine Spitzweg den NIS in verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen untersucht sowie dessen Regulationsmechanismen. Dann hat sie mit ihrem Team gezeigt, dass NIS auch in anderen Geweben im Körper vorhanden ist – zum Beispiel im Brustgewebe der Frau, in Speichel- und Tränendrüsen sowie in der Niere.

Es folgte ein neues Projekt, zunächst in der renommierten Mayo-Klinik in den USA, später dann in München. Das Ziel: die seit Jahrzehnten bewährte Diagnostik und Therapie von Schilddrüsen-Tumoren mit radioaktivem Jod auch auf andere Krebsarten zu übertragen – und zwar mithilfe von NIS. Denn auch radioaktive Jod-Teilchen wandern über den NIS in die Schilddrüse ein. Dort zerstören sie die Krebszellen gezielt und damit weitgehend ohne Nebenwirkungen, weil das gesunde Gewebe des Körpers von der radioaktiven Strahlung verschont wird. Die Idee: das Gen für den NIS im Zuge einer Gentherapie auch in die entarteten Zellen von Tumoren außerhalb der Schilddrüse einzuschleusen, sodass auch sie das Jod-Transportsystem in ihre äußere Hülle einbauen und das radioaktive Jod einschleusen – und sich so selbst zerstören.

Was sich kinderleicht liest, ist in Wahrheit eine Herkules-Aufgabe. Akribisch und beharrlich hat Christine Spitzweg verschiedene Methoden in Tieren getestet, um die Idee in die Praxis umzusetzen. Mit einem möglichen Nutzen für Patienten: Das erste dieser Verfahren testet die Mayo-Klinik gerade mit Prostatakrebs-Patienten, deren Tumor in der Prostata lokal zurückgekehrt ist. Auch mit ihren neueren Verfahren, die zielgenauer und damit risikoärmer sind und sich besonders auch bei Tumoren mit Tochtergeschwülsten anwenden lassen, hofft Christine Spitzweg auf „eine erste klinische Studie mit Krebs-Patienten bei uns am Klinikum in den kommenden zwei bis drei Jahren.“ Ein exzellentes Beispiel dafür, wie medizinische Spitzenforschung therapeutisch umgesetzt werden kann.

Quelle: Jahresbericht 2014