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Düstere Aussichten mit Hoffnungsschimmer

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den gefährlichsten und tödlichsten Tumoren überhaupt – und wird in einem Krebszentrum wie dem CCC München deshalb besonders intensiv erforscht.

Wer an einem Tumor der Bauchspeicheldrüse erkrankt, hat noch immer geringe Chancen. „Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur zehn Prozent der Patienten“, sagt Privatdozent Stefan Böck, Onkologe von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III. Seit 20 Jahren ist die Sterblichkeit unverändert hoch. Folgerichtig laufen dort klinische Studien, die an allen Fronten die derzeitigen Standardtherapien und damit auch die Aussichten der Patienten verbessern sollen. „Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein Fokus im CCC München“, erklärt Prof. Jens Werner, Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie – und ein international renommierter Spezialist aus diesem Gebiet.

Trotz aller düsteren Aussichten „ist die chirurgische Entfernung des Tumors Voraussetzung dafür, dass der Patient eine potenzielle Heilungschance hat“, erklärt Prof. Werner Hartwig, Leiter des Pankreaszentrums am Klinikum, das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert ist. Wann immer möglich, streben die Ärzte

Wann immer möglich, streben die Ärzte deshalb eine Operation an. Außerdem verbessert eine Chemotherapie auch bei inoperablen Patienten Studien zufolge die Lebensqualität. Und sie verlängert das Überleben. „Das ist wissenschaftlich klar belegt“, sagt Böck.

60 Prozent der Patienten kommen in das Klinikum mit einem Pankreaskarzinom, das bereits in andere Organe gestreut hat. Sie erhalten eine Chemotherapie, die jüngst durch neue Medikamente verbessert wurde. 10 bis 20 Prozent der Patienten weisen einen lokal-fortgeschrittenen Tumor auf, der ebenfalls bei Diagnosestellung oft nicht mehr operabel ist, weil er beispielsweise in die Blutgefäße im Oberbauch wächst. Allerdings gibt es Grenzfälle, wo die Münchner Mediziner mit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie behandeln, um den Tumor so zu verkleinern, dass er doch chirurgisch entfernt werden kann. 20 bis 30 Prozent der Patienten haben einen Tumor, der auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt ist. Die Chirurgen um Werner und Hartwig können diesen Krebsherd inklusive der befallenen Lymphknoten entfernen. Je nach Tumorstadium überleben dann bis zu 50 Prozent der Patienten mindestens fünf Jahre lang.

Die Ärzte des Klinikums der Universität München waren in den vergangenen Jahren an mehreren Studien beteiligt, in denen neue Chemotherapeutika und neue Kombinationen von Medikamenten in der Chemotherapie getestet wurden. Allerdings war das nur der Anfang. Denn das mittelfristige Ziel ist klar gesteckt: den Patienten mehr Lebenszeit bei guter Lebensqualität zu schenken. In allen Bereichen – von der Charakterisierung molekularer Signalwege bis hin zur Chirurgie – arbeiten die Wissenschaftler des Klinikums am Pankreaskarzinom.

Derzeit laufen am Klinikum mehr als zehn klinische Studien, an denen Patienten teilnehmen und somit womöglich innovative Therapieprotokolle bekommen, die ihnen besser helfen können. In der Grundlagenforschung suchen die Forscher aus Großhadern beispielsweise nach sogenannten Biomarkern. Diese Moleküle sollen einerseits erlauben, die Chancen jedes einzelnen Patienten besser einzuschätzen. Zum anderen sollen sie vorhersagen, ob eine bestimmte Therapie wahrscheinlich anschlägt oder nicht.

Der bösartige Bauchspeicheldrüsenkrebs kann sich aus einer gutartigen Vorstufe entwickeln, den zystischen Pankreastumoren.

Dieses Feld beforschen in Großhadern Mitarbeiter der Chirurgischen und Gastroenterologischen Klinik. „Oft werden diese anfangs gutartigen Tumoren bei Routineuntersuchungen entdeckt“, sagt Werner Hartwig. Inzwischen fallen nahezu ein Fünftel der Bauchspeicheldrüsen- Operationen am Klinikum auf solche Patienten. Sie haben hervorragende Überlebenschancen, da der Tumor erstmals in einem Frühstadium entfernt werden kann.

Die erfolgreiche Therapie von zystischen und bösartigen Tumoren hängt ab von der Erfahrung aller Beteiligten bei der Diagnostik, der Operation und der weiteren Behandlung nach der Operation. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit der Ärzte aus den verschiedenen Bereichen des CCC München am Klinikum der Universität München. Nur so werden am Pankreas- zentrum optimale Ergebnisse erzielt.

Quelle: Jahresbericht 2014 (Text und Bildnachweis)