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Impfung gegen Bakterien

Die Industrie hat die Suche nach neuen Antibiotika weitgehend eingestellt. Infektiologen der Dr. von Haunerschen Kinderklinik entwickeln deshalb Impfungen gegen Bakterien.

Die Erforschung neuer Antibiotika ist aufwendig und teuer. Und sind die Medikamente nach Milliardeninvestitionen einmal auf dem Markt, versprechen sie dennoch nur begrenzten Umsatz. Denn Antibiotika brauchen die Patienten meist nur für kurze Zeit – anders als ein Medikament etwa gegen erhöhte Blutfettwerte, das lebenslang geschluckt werden muss. So hat sich die Pharmaindustrie weitgehend von der Entwicklung neuer Antibiotika verabschiedet. „Wir müssen uns darum Alternativen überlegen, wie wir vor allem vielfach resistente Keime bekämpfen“, erklärt Prof. Johannes Hübner vom Dr. von Haunerschen Kinderspital.

Eine mögliche Strategie: Impfstoffe gegen gefährliche Bakterien zu entwickeln. Darauf setzt das Team um den Infektiologen. Bei einer Impfung schlucken oder bekommen Menschen abgeschwächte Teile von Erreger- Molekülen (Antigene) gespritzt. Diese Antigene sollen das Immunsystem des Impflings so weit stimulieren, dass er bei einer echten Infektion gegen die betreffenden Bakterien geschützt ist. Dem zugrunde liegen das „Gedächtnis“ und die Zellen unserer Körperabwehr.

„Wir haben damit Grundlagenarbeit geleistet“

huebner "Wir müssen uns darum Alternativen überlegen, wie wir vor allem vielfach resistente Keime bekämpfen"
Infektologe und Kinderarzt am Dr. von Haunerschen Kinderspital

Zwingende Voraussetzung für einen Impfstoff: Antigene zu finden, die wirklich das Immunsystem ankurbeln, ohne dass die Impfung Krankheitssymptome auslösen würde. In dieser Hinsicht hat sich Hübners Team jetzt die sogenannten Enterokokken vorgeknöpft. Das sind Bakterien, die auch bei Kindern verschiedene Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen und die typischerweise in Krankenhäusern grassieren. Viele dieser Enterokokken sind bereits unempfindlich gegen die meisten Antibiotika geworden.

Die Forscher konzentrieren sich bei ihrer Suche nach geeigneten Antigenen auf Moleküle, die sich auf der Oberfläche der Bakterien – in ihrer Zellwand – befinden. Die Strukturen wechselwirken bei einer Infektion mit dem Immunsystem – und erscheinen deshalb wie prädestiniert, um sie in einen Impfstoff zu packen. In jahrelanger Detailarbeit haben die Wissenschaftler sogenannte Kapselsaccharide und Teichonsäuren isoliert. In Mäuse injiziert, „lösen diese Moleküle eine potente Immunantwort aus“, resümiert Hübner die Ergebnisse jüngster Studien.

Im Labor hat das Team auch „monoklonale Antikörper“ gegen genau diese Moleküle entwickelt. Diese künstlich hergestellten Moleküle binden passgenau an die Kapselsaccharide und Teichonsäuren. Sie werden gespritzt, aktivieren bestimmte Teile des Immunsystems und schützen Mäuse vor Infektionen mit Enterokokken. Es gibt sogar Hinweise, dass die Antikörper noch wirken, nachdem die Tiere im Labor mit Enterokokken infiziert wurden – als Therapie und nicht nur zur Vorbeugung. „Wir haben damit Grundlagenarbeit geleistet“, freut sich Hübner über die Erfolge seiner Arbeitsgruppe. Um daraus effektive Impfstoffe beziehungsweise Medikamente für den Menschen zu entwickeln und in Studien zu testen, „muss jetzt die Pharmaindustrie aktiv werden.“ Die hat ihr Interesse an den Konzepten der Münchner Forscher auch schon signalisiert.

Quelle: Jahresbericht 2014 (Text und Bildnachweis)