Medizinische Fakultät
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Darmkrebs

Ein Tumor – beispielsweise des Dickdarms – ist ein heterogenes Gebilde aus differenzierten Tumorzellen und undifferenzierten Tumorstammzellen.

kirchner Professor Dr. Thomas Kirchner
Direktor des Pathologischen Instituts

„Diese Tumorstammzellen sind mutmaßlich der Ursprung von Krebs und treiben das Tumorwachstum und vor allem die Entwicklung von Tochtergeschwulsten an“, sagt Prof. Thomas Kirchner, Direkter des Pathologischen Instituts der LMU. Wobei gilt: Die meisten Krebspatienten sterben nicht an ihrem Primärtumor, sondern an Metastasen in anderen Organen. Einiges spricht sogar dafür, dass nur Tumorstammzellen Tochtergeschwulste bilden können.

Schon jetzt zeichnet sich für das Team um Prof. Kirchner ab, dass die Untersuchung und Betrachtung von Stammzelleigenschaften in Tumoren „ein erfolgversprechender Weg sein könnte, um das Metastasierungsrisiko in Dickdarmkarzinomen zu bestimmen.“ Die LMU-Mediziner beleuchten vor allem drei Moleküle, die so genannten Tumorstammzell-Marker CD44, CD166 und CD133 – alles Moleküle, die auf der Oberfläche der Tumorstammzellen sitzen. In einer Studie mit 110 Patienten zeigten die Forscher zunächst: Dickdarmkrebs-Patienten, deren Tumorstammzellen hohe Mengen von CD44 und CD166 produzieren, überleben deutlich kürzer als Kranke mit schwacher Expression der beiden Moleküle. „Am kürzesten überleben allerdings die Patienten, die in ihren Tumorstammzellen hoch gradig CD133 exprimieren“, sagt der Leiter des Pathologischen Instituts – was sehr wahrscheinlich mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko zusammenhängt.

Basierend auf ihren Erkenntnissen haben sie einen einfachen Algorithmus entwickelt, der Aufschluss über das Metastasierungsrisiko von Kolonkarzinomen geben sollte. In einem ersten Schritt wurde zwischen Dickdarmtumoren unterschieden, die positiv für den Faktor MLH-1 sind oder nicht. Dann wurden die MLH1-positiven Fälle differenziert nach Tumoren mit starker CD133- und starker Expression des Moleküls β-Catenin sowie nach Fällen, die nur einen oder keinen dieser beiden Marker in hohen Mengen erzeugen. Inzwischen haben die Mediziner diesen Algorithmus in einer Studie getestet, bei der 57 Patienten mit 57 Patienten ohne Metastasen im Fünfjahresverlauf verglichen wurden. „Die Ergebnisse sind hoch signifikant“, erklärt Prof. Kirchner. Demnach entwickelten MLH1-negative Patienten in nur einem von 19 Fällen Metastasen in anderen Organen. Tumoren mit hochgradiger CD133- und β-Catenin-Expression streuten hingegen sehr leicht im Körper. In dieser Gruppe registrierten die Wissenschaftler bei 17 von 18 Fällen Metastasen. „Damit können wir Gruppen mit sehr unterschiedlichen Metastasierungsrisiken unterscheiden“, erklärt der LMU-Pathologe, „wobei die Hochrisikogruppe durch die Expression von zwei Markern definiert ist, die mit Tumorstammzellen zusammenhängen.“ Die Resultate, so sie sich bestätigen, könnten auch die Therapie beeinflussen, weil Patienten mit geringem Metastasierungsrisiko eventuell keine belastende Chemotherapie zur Verhinderung von Metastasen benötigen.

Quelle: Jahresbericht 2010 (Text und Bildnachweis)