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Nebennierenkarzinom

fassnacht Professor Dr. Martin Fassnacht
Die Therapiestrategie des Endokrinologen und seiner Kollegen hatte großen Erfolg

Das Nebennierenkarzinom ist ein besonders heimtückischer, weil schwer zu beherrschender Tumor: Schon bei der Erstdiagnose hat der Krebs bei einem Drittel der Patienten in andere Organe wie Leber und Lungen gestreut. Zumindest aber können die Patienten jetzt darauf bauen, dass sie die beste verfügbare Therapie bekommen. Denn jetzt wissen die Ärzte: Eine Viererkombination aus den Medikamenten Mitotane, Etoposid, Doxorubicin und Cisplatin ist deutlich effektiver als die Behandlung mit einer Zweierkombination aus Mitotane und Streptozotocin”, wie Prof. Martin Fassnacht erklärt. Der Endokrinologe aus derMedizinischen Klinik IV war federführend an einer Studie beteiligt, die alle Zweifel geklärt hat.

Zwar erkranken am Nebennierenkarzinom in Deutschland jährlich nur 80 bis 120 Menschen, womit das Leiden nach Maßstäben der Weltgesundheitsorganisation zu den seltenen Erkrankungen gehört. Doch trifft dieser Tumor oft auch junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Hat der Primärtumor einmalMetastasen gebildet, bricht der Krebs nach der Operation – so sie überhaupt möglich ist – meist wieder aus.

„Bei vergleichbaren Nebenwirkungen hat sich die Viererkombination als klar überlegen erwiesen“

An der seit 2004 laufenden Studie waren insgesamt 304 Patienten mit fortgeschrittenem Nebennierenkarzinom beteiligt, die in zwölf medizinischen Zentren in Europa, Australien und den USA betreut wurden. Allein 103 Patienten kamen aus Deutschland. „Unsere Studie hat mehr Patienten untersucht als alle bisherigen Chemotherapie- Studien beim Nebennierenkarzinom zusammen“, betont Martin Fassnacht. Verglichen wurden die beiden vielversprechendsten Therapiestrategien. Ein Jahr nach Beginn der Behandlung lebten noch 26 Prozent der Patienten mit der Viererkombination, ohne dass die Erkrankung vorangeschritten war. In der Gruppe mit der Zweierkombination traf das nur für sieben Prozent der Studienteilnehmer zu. Überdies verkleinerte sich die Tumormasse bei den Patienten mit Viererkombination deutlich öfter. „Bei vergleichbaren Nebenwirkungen hat sich die Viererkombination als klar überlegen erwiesen“, sagt der Mediziner, „sie hat sich jetzt als Standardtherapie bei dieser Erkrankung durchgesetzt.“ Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Die Daten haben gezeigt, dass die Prognose der Patienten noch schlechter ist als die Experten gedacht haben. Die Überlebenszeit geht durchschnittlich nicht über zwölf bis 15 Monate nach Beginn der Chemotherapie hinaus. „Das ist die Kehrseite der Medaille“, erklärt Fassnacht, „das beste, was wir haben, ist noch immer schlecht.“ Die an der Studie beteiligten Zentren arbeiten deshalb daran, die Therapie zu verbessern. Weil die internationalen Zentren nun so gut vernetzt seien, erwartet Fassnacht auch einen entscheidenden Schub mit effektiveren Behandlungen. Beim Punkt Früherkennung bleibt der Münchner Mediziner indes skeptisch. Zwar lassen die Tumoren mit bildgebenden Verfahren und Urindiagnostik inzwischen theoretisch gut erkennen. „Aber in der Praxis wird niemand für einen so seltenen Tumor ein flächendeckendes Früherkennungsprogramm etablieren.“

Quelle: Jahresbericht 2012 (Text und Bildnachweis)

Literatur: Fassnacht M et al (2012):
"Combination Chemotherapy in Advanced Adrenocortical Carcinoma"
N Engl J Med., 366 (23): 2189-97