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Mantelzell-Lymphom

dreyling Professor Dr. Martin Dreyling
„Gegenüber der bisherigen Standardtherapie verlängert sich die Überlebenszeit der Patienten deutlich“

Als „spektakulär“ bezeichnet Prof. Martin Dreyling die neue sogenannte Erhaltungstherapie für Patienten mit Mantelzell-Lymphom: „Gegenüber der bisherigen Standardtherapie verlängert sich die Überlebenszeit der Patienten deutlich“, sagt der Arzt von der Medizinischen Klinik III am Campus Großhadern, „und das bei erheblich besserer Lebensqualität.“

DasMantelzell-Lymphomist eine vonmehreren bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks und relativ selten. Die entarteten Zellen breiten sich nicht nur im Knochenmark selbst aus, sondern auch inMilz und Blut.Weil die meisten Betroffenen älter als 60 Jahre sind, können sie nicht mit aggressiver Chemotherapie behandelt werden. Entsprechend erhalten die Patienten vier bis acht Zyklen einer weniger aggressiven Chemotherapie und das Medikament Rituximab – einen Antikörper, der über verschiedene Wirkmechanismen die Lymphom-Zellen abtötet. Diese Behandlung allein kann die Krankheit aber nur durchschnittlich zwei bis drei Jahre in Schach halten.

Die Immunchemotherapie drängte das Lymphom von 316 Patienten vollständig oder teilweise zurück.

hiddemann Professor Dr. Wolfgang Hiddemann (2. v. r.) und Mitarbeiter

„Deshalb setzen wir auf die Erhaltungstherapie“, betont Dreyling. Sie soll die krankheitsfreie Zeit ausdehnen. Bis vor kurzem gaben die Mediziner ihren Patienten das Medikament Interferon-Alpha, das das Immunsystem der Betroffenen gegen die bösartigen Zellen stimulieren soll. Doch die Nebenwirkungen – am häufigsten grippeähnliche Symptome – sind so stark, dass viele Patienten die Behandlung vorzeitig abbrechen. Rituximab ist deutlich besser verträglich. „Dass es darüber hinaus beim Mantelzell-Lymphom so hervorragend wirkt, hatten wir nicht vermutet“, sagt der Experte.

Doch zu eindeutig sind die Daten der sogenannten MCL-Elderly-Studie. Federführend koordiniert wurde sie von Martin Dreyling und der Studienzentrale der „German Low Grade Lymphoma Study Group“ unter Prof. Wolfgang Hiddemann von der Medizinischen Klinik III. An der Studie haben 560 Patienten aus acht europäischen Lymphom- Zentren teilgenommen. Sie erhielten zunächst entweder eine R-CHOP bezeichnete Therapie mit vier chemotherapeutischenWirkstoffen plus Rituximab oder eine R-FC genannte Behandlung mit zwei Chemotherapeutika plus Rituximab. „RCHOP war besser“, sagt Dreyling. Die Immunchemotherapie drängte das Lymphom von 316 Patienten vollständig oder teilweise zurück. Sie wurden danach entweder alle zweiMonate mit einer Rituximab-Spritze oder einmal wöchentlich mit einer Interferon- Alpha-Injektion behandelt, und zwar so lange bis die Krankheit wieder ausbrach.

Ergebnis: Die durchschnittliche krankheitsfreie Zeit unter Rituximab betrug 75 Monate, unter Interferon-Alpha nur 27 Monate. „Nach vier Jahren“, erklärt Dreyling, „hatten 87 Prozent der Patienten in der Rituximab-Gruppe überlebt und nur 63 Prozent der Patienten in der Interferon-Gruppe.“ Der Lymphom-Experte hält die Daten für überzeugend. Andere Fachleute auch: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat die Erhaltungstherapie mit Rituximab als Standard anerkannt, die entsprechenden medizinischen Fachgesellschaften in Europa ebenfalls.

Quelle: Jahresbericht 2012 (Text und Bildnachweis)

Literatur: Kluin-Nelemans HC et al (2012):
"Treatment of older patients with mantle-cell lymphoma"
N Engl J Med, 367(6):520-31