Medizinische Fakultät
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Kardiologie

klauss Professor Dr. Volker Klauss
„Mit dem Verfahren helfen wir Patienten und sparen Geld“

Es passiert täglich, nach einem Herzinfarkt oder bei einer Routine-Kontrolle: Der Kardiologe analysiert die Herzgefäße der Patienten mit einem röntgenologischen Verfahren (Angiografie) und erkennt auf den Bildern verengte Koronarien. „Ob die Verengung den Blutfluss aber gefährlich beeinträchtigt, können selbst erfahrene Kollegen vor allem bei mittelgradigen Stenosen anhand der Angiografie oft kaum beurteilen“, sagt Prof. Dr. Volker Klauss, Leiter der Kardiologie in der Poliklinik des Klinikums der Universität München, Campus Innenstadt. Die Folge: Im Zweifel werden diese Engstellen (Stenosen) behandelt, meist mit der Implantation eines so genannten Stents – einer gitterförmigen Gefäßstütze, die bei der Dehnung der betroffenen Stellen im Gefäß eingesetzt wird. Doch erstens sind Stents teuer. Zweitens entstehen Folgekosten, weil die Patienten bis zu einem Jahr lang Blut verdünnende Medikamente einnehmen müssen, die überdies noch Komplikationen verursachen können. Entsprechend diskutieren die Experten seit Jahren, ob zu viele Stents implantiert werden.

Mit der Druckdraht-Messung allerdings können Kardiologen einer neuen Studie zufolge sicher ermitteln, ob eine Verengung wirklich gefährlich und ein Stent wirklich nötig ist. Das Verfahren ermittelt den Blutfluss in einem Gefäß und lässt sich in die routinemäßige Herzkatheter-Untersuchung integrieren. Die Mediziner schieben einen dünnen, flexiblen und mit einem Drucksensor ausgestatteten Draht in die Koronararterien. Der Sensor misst den Blutdruck hinter den Stenosen. Fällt er im Vergleich zum bekannten Druck der Hauptschlagader unter einen bestimmten Grenzwert, ist der Blutfluss an der verengten Stelle kritisch eingeschränkt.

„Mindestens 30 Prozent der Stents im derzeitigen Routine-Betrieb werden unnötig eingesetzt“

Prof. Klauss und seine Kollegen waren an der internationalen multizentrischen Studie beteiligt, die in 2009 „den Nutzen des Verfahrens eindeutig wissenschaftlich belegt hat“, wie der Münchner Mediziner erklärt. An der FAME genannten Studie nahmen mehr als 1000 Patienten mit stabiler Angina pectoris teil, bei denen mehrere Koronargefäße verengt waren. Zwei Gruppen wurden gebildet: Die Teilnehmer der ersten Gruppe bekamen allein aufgrund des angiografischen Befundes Stents eingesetzt, die mit einem Wirkstoff beschichtet waren. Die Substanz wird kontinuierlich in die Gefäßwand abgegeben und soll eine erneute Verengung der Arterie unterbinden. Bei den Patienten der zweiten Gruppe untersuchten die Ärzte die Stenosen zusätzlich mit der Druckdrahtmessung. Nur wenn der Blutfluss eindeutig behindert war, wurde in die verengte Stelle ein Stent eingesetzt.

Bis zu einem Jahr nach der Intervention waren 18,3 Prozent der „Angiografie-Gruppe“ von einem „schwerwiegenden Ereignis“ betroffen – erneute koronare Eingriffe oder Herzinfarkt oder Tod -, aber nur 13,2 Prozent in der „Druckdraht-Messungs-Gruppe.“ Außerdem sank die Zahl der implantierten Gefäßstützen. „Mindestens 30 Prozent der Stents im derzeitigen Routine-Betrieb werden unnötig eingesetzt“, betont Prof. Klauss. Letztlich sanken die Kosten durch die Druckdraht-Messung deutlich. „Das ist eine der wenigen modernen medizinischen Methoden, mit denen wir den Patienten helfen und gleichzeitig Geld sparen können“, sagt der Kardiologe. Dennoch setzt sich das Verfahren in Kliniken und Herzkatheter-Labors erst langsam durch – vor allem, weil die Krankenkassen die Kosten noch nicht übernehmen.

Quelle: Jahresbericht 2009 (Text und Bildnachweis)